Wohin mit der Rücklage? Tagesgeld, Festgeld und Geldmarktfonds im Vergleich
Für Geld, das in ein bis zwei Jahren gebraucht wird, taugt kein Aktiendepot. Es soll verfügbar bleiben, nicht schwanken und trotzdem nicht stillstehen. Drei Produkte teilen sich diesen Platz, und sie unterscheiden sich weniger im Ertrag als in der Frage, was passiert, wenn etwas schiefgeht.
Tagesgeld: verfügbar, aber ohne Zinsgarantie
Tagesgeld ist eine Einlage bei einer Bank. Das Geld ist täglich abrufbar, und bis 100.000 Euro je Kunde und Institut greift die gesetzliche Einlagensicherung. Der Zins ist allerdings variabel: Die Bank darf ihn jederzeit senken, und genau das passiert regelmäßig, sobald die Neukundenaktion ausgelaufen ist.
Wer den Zins ernsthaft nutzen will, muss deshalb kontrollieren. Ein Termin im Kalender nach sechs Monaten ist realistischer als der Vorsatz, es schon zu merken.
Festgeld: planbar, dafür gebunden
Beim Festgeld steht der Zins für die gesamte Laufzeit fest. Das ist der ganze Vorteil, und er ist echt: Fällt das Zinsniveau, behält man die höhere Verzinsung. Steigt es, sitzt man fest.
Vorzeitige Verfügung ist je nach Bank ausgeschlossen oder nur mit deutlichem Abschlag möglich. Für Geld, das eine Notfallreserve sein soll, ist Festgeld deshalb der falsche Ort — unabhängig davon, wie gut die Kondition aussieht.
Geldmarktfonds: Sondervermögen statt Einlage
Ein Geldmarktfonds ist keine Bankeinlage, sondern ein Fonds, der sehr kurz laufende Schuldtitel hält — Staatsanleihen mit wenigen Monaten Restlaufzeit, Termingelder, Geldmarktpapiere. Er fällt damit nicht unter die Einlagensicherung. Dafür ist das Fondsvermögen rechtlich getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft; geht die Gesellschaft insolvent, gehört das Portfolio weiter den Anlegern.
Anteile lassen sich börsentäglich zurückgeben. Der Kurs schwankt minimal, weil sich die zugrunde liegenden Papiere bewegen — bei extrem kurzen Restlaufzeiten allerdings in einer Größenordnung, die im Alltag kaum auffällt.
Von dieser klassischen Bauart gibt es seit einigen Jahren eine digitale Variante. Der Unterschied liegt nicht im Portfolio, sondern in der Art, wie die Anteile verbucht und übertragen werden — was einen tokenisierten Geldmarktfonds vom klassischen unterscheidet, ist deshalb vor allem eine Frage der Abwicklung.
Was sich gerade an diesem Segment verändert
Seit einigen Jahren gibt es Geldmarkt- und Staatsanleihefonds, deren Anteile nicht nur bei einer Depotbank verbucht, sondern zusätzlich auf einer Blockchain abgebildet werden. Für Anlegerinnen und Anleger ändert das zunächst wenig am Inhalt des Fonds. Es ändert etwas an der Abwicklung: Übertragungen laufen schneller, dafür kommen neue Zwischenstellen und neue Ausfallpunkte hinzu.
Wer wissen will, ob solche Produkte für die eigene Rücklage überhaupt in Frage kommen, sollte zuerst die Struktur verstehen. Die Redaktion von On-Chain Finance führt diese Produkte samt Rechtsform, Domizil und Verwahrstelle auf. Für die meisten Privatanleger bleibt es beim Ergebnis: Der klassische Fonds tut dasselbe, mit weniger beweglichen Teilen.
Die Punkte, die im Vergleich untergehen
Steuer. Bei Fonds fällt die Vorabpauschale an, auch wenn nichts ausgeschüttet wurde. Sie wird später auf den Veräußerungsgewinn angerechnet, belastet aber zwischenzeitlich das Konto.
Kosten. Die laufende Fondsgebühr geht direkt vom Ertrag ab. Bei einem Produkt, das ohnehin nur wenig Rendite bietet, entscheidet sie spürbar mit.
Zugriffszeit. Tagesgeld ist am nächsten Werktag da, ein Fondsverkauf braucht je nach Depot zwei bis drei Tage. Für eine echte Notfallreserve ist dieser Unterschied relevant.
Häufige Fragen
Ist ein Geldmarktfonds so sicher wie Tagesgeld?
Anders sicher. Tagesgeld ist bis 100.000 Euro je Kunde und Institut gesetzlich abgesichert. Ein Geldmarktfonds hat diese Absicherung nicht, ist aber Sondervermögen und damit von einer Insolvenz der Fondsgesellschaft nicht betroffen. Das verbleibende Risiko liegt bei den Papieren im Fonds.
Was ist die Vorabpauschale?
Eine steuerliche Vorwegbelastung bei thesaurierenden Fonds. Der Fiskus setzt einen fiktiven Mindestertrag an und besteuert ihn, auch wenn keine Ausschüttung geflossen ist. Beim späteren Verkauf wird der bereits versteuerte Betrag angerechnet, es entsteht also keine Doppelbesteuerung.
Wie schnell komme ich an mein Geld?
Tagesgeld ist in der Regel am nächsten Bankarbeitstag verfügbar. Fondsanteile brauchen je nach Depotbank zwei bis drei Tage bis zur Gutschrift. Festgeld ist bis zum Laufzeitende gebunden, sofern die Bank keine vorzeitige Kündigung gegen Abschlag zulässt.
